Die Sonne strahlt, die Luft ist klar und kalt. An der B 36-L 75, kurz hinter dem Ortsschild von Rastatt, rührt sich etwas: das Bunkerteam des Historischen Vereins beim Arbeitseinsatz. Schließlich soll am zweiten Sonntag im März der Regelbau 10 – so die offizielle Bezeichnung des Westwallbunkers – wieder für das interessierte Publikum geöffnet werden. Jede Menge Laub hat sich angesammelt, Zweige, Stücke von Stacheldraht, Plastikmüll und anderes hat der Wind auf das Gelände geweht- das muß geräumt werden. Ob das Licht im Kampfraum noch geht, die Wasserspülung im Wachthäuschen, nichts eingerostet, eingefroren? Ein paar Vitrinen sollen Beleuchtung erhalten, also müssen wieder Kabel verlegt werden – alles Arbeiten, die das Bunkerteam beherrscht. Die Männer kennen sich aus: sie sind Handwerker oder zumindest handwerklich begabt; der „Youngster“ Dominik ist Industriemechaniker im 3.Lehrjahr, und sie alle engagieren sich für den Historischen Verein. 2021 waren sie fast jeden Samstag im Cavalier 1 zugange und haben es für Führungen hergerichtet.






„Arbeit kann auch Spaß machen“, erklärt Boris Traub und Klaus Schnurr und Zoltan Sete stimmen ihm zu, während sie mit Laubsauger und Schubkarre hantieren. Stolz präsentieren sie die Neuerwerbung: eine Feldtankstelle. Ein paar Fässer, die in Kriegszeiten mit Benzin gefüllt waren und mit einer Pumpe zum Betanken von Panzern, Lastwagen und sonstigen Fahrzeugen gedacht war – Militärfahrzeuge, versteht sich. Man kennt immer jemand, der alte Sachen zu Hause hat, die im Wege sind und entsorgt, d.h. vernichtet würden- wie der Drehkranz für eine Zwei-Zentimeter-Flak 38 (aus der Luftverteidigungszone West bei Karlsbad), der jetzt im Bunkermuseum steht. Besonders rührig ist Karl Schweizer, der schon allerlei Inventarstücke herbeigeschafft hat. Er hat auch die Steine zur Bedeckung des Unterstands besorgt. Nun also auch eine Feldtankstelle. Davor liegt eine Bunkertür, die man auch irgendwo aufgetrieben hat und die einbetoniert werden muß. Alles Originale, alles echt! „Denkmäler sind große Stolpersteine“, sagt Philipp Erben, der als Besucher mitgekommen ist, „man muß sie erklären und ihre Funktion verstehen.“ Dann ist es Geschichtsunterricht ersten Ranges und kommt erfahrungsgemäß auch bei Kindern gut an.

Leicht gerät so eine Gruppe in den Verdacht, das Militär oder gar den Krieg zu verherrlichen. Weit gefehlt: es ist die Begeisterung für die Technik, für die Funktionalität der Gegenstände. Und die Verpflichtung der Geschichte gegenüber. Man will zeigen, wie es war: wenn fünfzehn Männer auf engstem Raum, unter ständiger Lebensgefahr ausharren und die ausgeklügelte Technik beherrschen mußten. Für sie hat man Empathie und das will man auch den Gästen vermitteln, die sich, hoffentlich unter gelockerten Coronabedingungen, ab März hier (wieder) einfinden werden. In der Vergangenheit waren ein Viertel von ihnen Franzosen!
Der Rastatter Bunker ist einer der wenigen vollständig erhaltenen Anlagen des Westwalls, der in den Jahren 1937-1939 an der Westgrenze des Deutschen Reiches als Gegenentwurf zur französischen Maginotlinie errichtet wurde. Die Siegermächte haben ihn nach 1945 nicht gesprengt, weil die französische Besatzungsarmee ihn weiter benutzte, als Gefängnis und später als Partykeller! Er ist das letzte Relikt der jahrhundertelangen „Erbfeindschaft“ zwischen Frankreich und Deutschland. Insofern ist er auch ein Mahnmal und ein Friedensbunker.
Das nächste Projekt der fleißigen Vereinsaktivisten steht schon fest: sie wollen den Regimentsstein der Franzosen restaurieren, der da noch aus dem Gestrüpp ragt. Darauf zu sehen ist die Trikolore und das Symbol der Einheit, die bis 1997 in Rastatt stationiert war.
Dr. Irmgard Stamm, 13.2.2022





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