Erinnerung an Gefangenenlager durch Denkmal

Zirka 15000 Ukrainer bevölkerten „PAWTATI“

Rastatt(rw). Besucht man den Niederbühler bzw. den Stadtfriedhof, so stößt man auf ukrainische Spuren. Besonders imposant ist das titulierte und von der Stadt Rastatt gepflegte ukrainische Ehrenmal, das aus den anderen Grabdenkmälern ausdrucksvoll herausragt. Zum Ensemble aus witterungsanfälligem Muschelkalk, das am 20. August 1918 eingeweiht wurde, sind verschiedene Elemente auszumachen.

Das Denkmal, welches vom bedeutenden ukrainischen Bildhauer Mychajlo Paratschuk geschaffen wurde, ist in kyrillischer Sprache überschrieben: „Den Söhnen der Ukraine/Ihre Landsleute“. Zentral ist eine Mutter, die ein Kleinkind behütet. Geradezu lebensgroß finden sich zudem als Soldat mit Gewehr ein ukrainischer Vater und sein Sohn.

Ein Bericht in der „Rastatter Zeitung“ vom 15. August 1918 führt zu der Symbolik, die auf die aktuelle Situation heute übertragen werden kann: „Das Weib ist die Ukraine“ und stehe für die sorgende Frau. „Zwei Krieger…verteidigen die Heimat.“ Hintergrund des Monuments auf dem Rastatter Stadtfriedhof ist das größte deutsche Kriegsgefangenenlager für Ukrainer, neben den kleineren in Salzwedel und Wetzlar. In Rastatt befanden sich auf dem Münchfeld zwischen 1915 bis 1918 zwölf Bereiche mit jeweils sechs Baracken. Dieses für Ukrainer, die in der Armee des russischen Zars gedient hatten. Nach dem Friedensvertrag zwischen dem deutschen Kaiserreich und der Ukraine 1918 wurde das Rastatter Lager zum Ausbildungscamp.  Mit deutscher Hilfe wurden die Ukrainer zu Kampfeinheiten gegen die russischen Bolschewiken zusammengefasst. Anschließend fielen bis 1922 viele Ukrainer im Feuer der Maschinengewehre oder wurden in sowjetischen Lagern ermordet.

Im Zweiten Weltkrieg nach 1939 kamen zahlreiche russische Fremdarbeiter nach Rastatt, die überwiegend schlecht behandelt wurden. Dazu wurde nach dem Zweiten Weltkrieg am 4. März 1950 vor dem ukrainischen Ehrenmal in russischer Sprache eine steinerne Gedenkplatte postiert, mit der Inschrift: „Hier sind begraben 62 sowjetische Bürger. Gestorben in der faschistischen Unherrschaft.Ewiger Ruhm den Kämpfern für Freiheit!“

Über 40 Jahre bis 1990 nahmen die Ukrainer die Tafel hin. Bis die Proteste bei der Stadtverwaltung Rastatt lauter wurden. Es sei „eine Schande“ eine russische Widmung vor einer ukrainischen Gedenkstätte zu postieren. Die russische Tafel wurde entfernt, vorübergehend auf dem Faneser Platz präsentiert, bis sie im städtischen Bauhof verschwand.

Gerade in den letzten 30 Jahren fanden immer wieder ukrainische Gruppen nach Rastatt, um sich an die Traditionen in der Stadt an der Murg zu erinnern und Blumen abzulegen.

Bild: Neben der Stätte auf dem Niederbühler Friedhof erinnert ein großes, gepflegtes Monument von 1918 den Aufenthalt von über 15000 ukrainischen Kriegsgefangenen in Rastatt.

Foto: Wollenschneider

Hinterlasse einen Kommentar

Angesagt

Beiträge

Beiträge

Beiträge