Skulptur von Hans Jucker schwer beschädigt
Kommt das Ende der stadtgeschichtlich bedeutenden Arbeit?
Rastatt(rw). Beide Hände abgeschlagen, der Kopf beschädigt und das Äußere mit Farbe beschmiert. So präsentiert sich im August 2023 das „Jesuskind vom Klosterplatz“. Die zirka zwei Meter hohe Steinplastik, geschaffen um 1900 von dem aus Ehingen stammenden Vorzeigebildhauer Hans Jucker (1868-1922, hat schon einiges ertragen müssen und wieder ist der Zustand mehr als kritisch.
Zur Hintergrundgeschichte: An der Stelle der heutigen Badner Halle, unterhalb der Pagodenburg, wurde von Markgräfin Maria Viktoria 1767 ein Kloster gestiftet. Vor allem ging es darum, das Bildungsniveau der Rastatter Kinder anzuheben. Als Pendant zur Heinrich-Hansjakob-Schule für Jungen wurde nach 1900 am Rohrersteg eine Schule für Mädchen eingerichtet.
Dabei wurde auch die vorhandene Klosterkirche der Mädchenschule genutzt. Über deren Portal mit markgräflichem Wappen fand sich das überdimensionierte Jesuskind des Hans Jucker mit einer segnenden Geste. Es scheint nur eine Aufnahme zu geben, die das Gesamtensemble dokumentieren kann. Auffällig dabei der große Kopf, um die Sicht von unten wie klassisch-antike Vorbilder zu harmonisieren.
Die Mädchenschule mit dem Jesuskind erlebte im April 1945 die lokalen Endkämpfe des Zweiten Weltkriegs. Dabei ging das historische Gebäude durch Artilleriebeschuss in Flammen auf und brannte aus. Was blieb, war außer der einfachen Turnhalle die von der Mädchenschule genutzt worden war, das historische Klostergebäude abzureißen. Allerdings das in der damaligen Presse titulierte, „sehr kunstvoll ausgeführte“ Jucker’sche Jesuskind wurde 1948 gerettet und 1955 im neuen Garten des Städtischen Altenheims postiert.
Dort verschwand es im Rahmen einer Umgestaltung und die Steinmetzarbeit landete mit abgetrenntem Kopf auf dem Lagerplatz der Stadtgärtnerei. Nach einer erfolgten Initiative wanderte das Jesuskind wieder restauriert in den Parkgarten des Städtischen Altenheims. Dabei waren 1989 von Kunstvandalen schon einmal die Hände abgeschlagen worden.
Noch einmal wurde die Restaurierung vorgenommen, um wieder 2010 erneut eine massive Beschädigung zu vermelden. Nachdem nun die Jucker’sche Arbeit absolut ins Abseits geraten ist, sollte eine Lösung überlegt werden. Mindestens eine Einlagerung, um das stadthistorische Monument, vor weiteren Zerstörungen zu schützen, sollte das „Jesuskind vom Klosterplatz“ verdient haben.
Rainer Wollenschneider

Bild 1: Erneut massiv beschädigt wurde das vom Rastatter Bildhauer Hans Jucker geschaffene „Jesuskind vom Klosterplatz“ von 1900, dem beide Hände abgeschlagen wurden.

Foto: Wollenschneider

Bild 2: Ein überdimensioniertes Jesuskind fand sich über dem Portal der Mädchenschule, die 1948 abgerissen wurde, welches sich aber beschädigt erhalten hat.
Foto: Sammlung Wollenschneider





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