Ötigheim(rw). Wenn in diesen Tagen an „175 Jahre Badische Revolution“ gedacht wird, muss Ötigheim nicht nachstehen. In einer Gedenkfeier auf dem Gemeindeplatz am Rathaus fand eine Kooperationsveranstaltung zwischen dem Fotoarchiv und Computertreff Ötigheim und dem Historischen Verein Rastatt statt.

Foto : R.Wollenschneider

Bürgermeister Frank Kiefer lobte den großen Publikumszuspruch. Ein Quartett des Mandolinen- und Gitarrenorchesters Ötigheim umrahmte die gesungenen Revolutionslieder. Da sang man das Heckerlied, „Die Gedanken sind frei“ und das „Badische Wiegenlied“. 

Die Basisidee zur Ötigheimer Gedenkfeier hatte die Vorsitzende des Rastatter Historischen Vereins, Irmgard Stamm. Sie fand in Heinz Lorenz ein offenes Ohr. Dieses weil Stamm auf die Aufzeichnungen des Herrmann Mors verweisen konnte. Der schildert in seiner Biografie, wie er als Hauptmann 1849 mit 25 Mann und Geschützen in und um Ötigheim versuchte, die titulierte „Murglinie“ gegen die anrückenden Preußen zu verteidigen.

In seiner Begrüßung wies Bürgermeister Kiefer darauf hin, wie die Ötigheimer sich 1849 für den Kampf um demokratische Rechte eingesetzt hatten. Für den historischen Rahmen und das bessere Verständnis beim Publikum sorgte Irmgard Stamm. Sie war auch optisch erkennbar in die Rolle der Marketenderin Marie geschlüpft. Bei der historischen Verbrüderung von Bürgern und Soldaten am 9. Mai 1849 in Rastatt seien auch Ötigheimer dabei gewesen. Ziele der Revolutionäre, die damals riefen, „Wir sind das Volk, das seine Freiheit will!“, konnten in Baden vorübergehend vom 12. Mai bis 23. Juli 1849 gelebt werden.

Stilecht in historischer Uniform war Heinz Lorenz in die Rolle des Soldaten und Freischärlers Herrmann Mors geschlüpft. Er schilderte authentisch, wie die Ötigheimer Ende Juni 1849 Herrmann Mors halfen, das Dorf zu verschanzen. „Das Dorf Ötigheim wurde vorübergehend zur Festung“, stellte Heinz Lorenz fest. Die Gemeinde mit dem revolutionären Hauptquartier im „Zum Grünen Baum“ wurde nachts beschossen. Der Revolutionär Herrmann Mors meisterte vorübergehend die Situation, erbeutete drei Husarenpferde und ließ eine Kuh zur Verpflegung „verwurschteln“. Außerdem stellte er in seinen Aufzeichnungen fest: „Ihr Ötigheimer habt gutes Bier.“ Weniger erfreulich das weitere Schicksal des Herrmann Mors: Er wurde bei den Kämpfen um Rastatt verwundet, gefangen, kam ins Zuchthaus Bruchsal. 

Foto: P.Wolf

Die aktuelle Ötigheimer Gedenkfeier wurde durch die Ausführungen des Kenners der Ortsgeschichte, Fritz Müller, abgerundet. Er führte in einem lebendigen Exkurs in die Zeit, als Ötigheim noch zahlreiche Wirtschaften und Privatbrauereien hatte. Müller erweckte Tobias Kühn mit seinem revolutionären Engagement zum Leben. 

Abgerundet wurde die Ötigheimer Revolutionsfeier durch den Exkurs zum Denkmal für die am 29. Juni 1849 im Federbach-Gefecht gefallen Preußen. Wertvoll vorort dazu die Ausführungen von Irmgard Stamm.

Foto : R.Wollenschneider

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