„Es ist aus mit uns“- die letzten Tage der Freiheitsfestung Rastatt
Unbemerkt von der Lokalpresse brachte der Historische Verein Rastatt beim fröhlichen Stadtfest
„175 Jahre Badische Revolution“ auf die Bühne, was vor 175 Jahren in Rastatt wirklich geschah:
am 21. Juli 1849 kehrten die beiden Kundschafter zurück, die man aus der belagerten Festung
entsandt hatte, um die Lage im restlichen Baden zu erkunden. Das letzte Fünkchen Hoffnung
erstarb, als der Bericht des Generalstabschefs Corvin vernommen wurde.
Zu dieser Zeit herrschte bereits Chaos in der Stadt, Diebereien, Exzesse von Trunkenheit und
Prügeleien wurden täglich gemeldet. Zudem waren die Lebensmittel knapp. Viele Bürger
wünschten sich sogar die Preußen in die Stadt, um die Ordnung wieder herzustellen.

Doch die Besatzung hatte gedroht, die Geschütze auf die Stadt zu richten, wenn von Übergabe die Rede sei. Nach dem Verlesen des ernüchternden Reiseberichts durch Philipp Erben führte Frau Konditor
Nusser, die Quartiergeberin von Carl Schurz (Irmgard Stamm) die zahlreichen Zuhörer zur
evangelischen Stadtkirche.


Dort hatte am Vortag, dem 20. Juli, eine Bürgerversammlung stattgefunden, bei der General Tiedemann einen Plan B vorstellte, für den Fall, dass die Befreiung durch Sigels Armee nicht käme: die Besatzung solle sich nach dem Rhein durchschlagen und versuchen, an das französische Ufer zu gelangen. Etliche Bürger taten ihre Meinung dazu kund, es ging von „Verteidigen bis wir Schuhsohlen fressen müssen!“ bis „Bevor wir uns den Preußen ergeben, sprengen wir uns in die Luft!“.
Aber auch die Bedenken, dass die Armee im Rhein ertrinken müsse, und die Nachhut von den Verfolgern zusammengehauen würde, waren von Bürgern (den Vereinsmitgliedern Michael, Kurt, Patric, Klaus, Christine, Petra) zu hören.
Im Schloßhof kam es zum Finale. Im linken Flügel des Schlosses hatte der Generalstab der
Revolutionäre seit dem 1. Juli Wohnung genommen, hier befand sich das Büro und auch die
Wohnung des Gouverneurs Tiedemann. Bereits am 2. Juli war ein Parlamentair der Preußen
gekommen mit der Aufforderung, die Festung zu übergeben. Diese wurde jedoch von Tiedemann
brüsk abgelehnt.
Zwei Gemeinderäte, die sich Zugang zu der Beratung verschafften, wurden
hinausgewiesen mit den Worten, der Besuch des Parlamentairs ginge sie nichts an.
Darauf die Gemeinderäte (Klaus Zimmermann und Martin Karcher): — „Wir sind Bürger dieser
Stadt und es geht uns am allermeisten an, ob unsere Häuser zusammengeschossen werden!
“ und,
wütend: „Ihr seid doch nur ein Haufen von lauter zusammengelaufenem Gesindel!

Den Schlußpunkt der Führung sollte das Carl-Schurz-Haus bilden, doch wegen der dort
herrschenden Beschallung von mehreren Musikgruppen blieb man beim Schloß.
Die Gäste, darunter Interessierte aus Offenburg, Potsdam, Hamburg und sogar New York, erfuhren das weitere Schicksal der Revolutionäre und den besonderen Lebensweg von Carl Schurz. In dessen
Erinnerungen findet sich auch sein -wegweisendes- Urteil über die Erhebung von 1848 und 1849:
darauf solle ein Volk stolz sein und brauche sich dieser Geschichte gewiß nicht zu schämen!


Dr.Irmgard Stamm, Rastatt 23.7.2024

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