Das Arbeitserziehungslager
Führung und Vortrag von Karl Schweizer (12.04.2025)





Das Arbeitserziehungslager wurde gemäß eines Erlasses von Heinrich Himmler durch regionale Gestapo-Dienststellen im Jahr 1942 eingerichtet.
Das Lager das offiziell als Erziehungs-Lager bezeichnet wurde, diente in erster Linie der Disziplinierung und Umerziehung von Andersdenkenden, politischen Gegnern und Langzeitarbeitslosen. Die Gestapo reagierte willkürlich auf Anzeigen und Denunziationen.
Diese Erziehungszwecke galten offiziell nicht als Strafmaßnahmen und bedurften somit keinerlei gerichtlicher Entscheidung. Welche Personen aus welchen Gründen verhaftet und bestraft wurden, war der Willkür der zuständigen Dienststellen überlassen. Als Haftgrund konnte neben Arbeitsbummelei oder Arbeitsverweigerung beispielsweise auch das Nichtausführen des deutschen Grußes gelten. Frauen wurden unter anderem wegen Verletzung des Kontaktverbots mit sogenannten Volksfremden, das heißt mit Männern aus Osteuropa, inhaftiert. Lokale Interessen der Industrie und Gemeinden an der Disziplinierung und Ausbeutung der Arbeitskräfte spielten auch eine Rolle. Man schätzt, dass es im deutschen Reich etwa 200 dieser Lager mit ca. 500 000 inhaftierten ausgehungerten und ausgebeuteten Arbeitssklaven gab. Auf Baden bezogen zählt man im November 1942 ca.70 000 Zwangsarbeiter. Rechnet man die aus Frankreich, Polen und der Sowjetunion stammenden Kriegsgefangenen hinzu, erhöht sich die Zahl auf etwa
110 000 was etwa 20 % der Beschäftigten bedeutet. Laut Statistik des Landesarbeitsamtes schufteten im Bereich Rastatt ca. 4 000 ausländische Zwangsarbeiter, die in Niederbühl, Bad Rotenfels und Weisenbach untergebracht wurden. Viele wurden im Daimler Benz Werk in Gaggenau eingesetzt. Im Herbst 1943 wurden die Häftlinge vorrübergehend nach Karlsruhe verlegt.
Im Frühjahr 1944 kam ein Teil zurück nach Niederbühl, ein Teil wurde in das Arbeitserziehungslager Oberndorf-Aistaig bei Rottweil verbracht. Ab Oktober 1944 kamen der Dokumentation zufolge in mehreren Transporten Häftlinge aus dem elsässischen Sicherungslager Schirmeck-Vorbruck nach Niederbühl und nach Rastatt in die Bastion 12 weil das im September 1944 eingerichtete Schirmeck Außenkomando in Bad Rotenfels hoffnungslos überfüllt war. Gaggenau und Rastatt wurden somit zum „Evakuierungsraum für KZ-Häftlinge“ aus dem Elsass. Weitere sogenannte Außen-Komandos elsässischer KZ-Häftlinge aus Natzweiler oder Schirmeck-Vorbruck gab es in Iffezheim, Sandweier, Bad Rotenfels und Weisenbach. Alle KZ-Lager im Dritten Reich hatten Außenlager beziehungsweise Außenkomandos . Die Außenlager unterstanden der Verwaltung und Verfügungsgewalt des jeweiligen Stammlagers und waren von unterschiedlicher Größe und Dauer. Während die Stammlager befestigt waren und über eine Komplexe Überwachungsstruktur verfügten, variierte das bei den Außenlagern. Diese waren zum Teil nur mit einem Stacheldraht umzäunt, oder die Häftlinge waren in Gebäuden untergebracht die sich in der Nähe der Arbeitsstelle befanden. Mobile Außenkomandos wurden von SS-Wachmannschaften begleitet und überwacht, wie dies in Niederbühl der Fall gewesen war. Dieses Lager ist nicht zu verwechseln mit den Barackenunterkünften von Zwangsarbeitern die im Kreis Rastatt beschäftigt waren. Allein in Rastatt stellten 12 Betriebe Kriegsgüter her. Hintergrund der Aktion war der Umstand, dass die Alliierten in Frankreich immer weiter vorrückten. Die Häftlinge aus dem Elsass sollten aber nicht von den Alliierten befreit werden, sondern weiterhin als Zwangsarbeiter der Rüstungsindustrie zur Verfügung stehen. Ende November und Anfang Dezember 1944 wurden zwischen 650 und 850 Schirmeck-Häftlinge aus den Lagern Bad Rotenfels, Bastion 12 und Niederbühl für Arbeitseinsätze nach Haslach verlegt. Von der Organisation Todt wurden Zwangsarbeiter am Kniebis und Ruhestein eingesetzt. Auch in Oberndorf am Neckar wurden bei den Mauser Werken und der Maschinenfabrik Mafell in Aistaig Zwangsarbeiter eingesetzt. In Rastatt sollen die Häftlinge bei der Firma Reishauer eingesetzt gewesen sein. Den vom Arbeitseinsatz im Gleichschritt zurückkehrenden Gefangenen wurde von der Bevölkerung gelegentlich etwas Essbares zugesteckt. Man legte auch teilweise Obst in den Straßengraben, aber das wurde von den Wärtern sofort zertreten. Wurde mal etwas übersehen und einer der Gefangenen hob es auf, wurde er sofort geschlagen.
(Aussage der Familie) Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse der Häftlinge kann man als polizeilich angeortneten Arbeits-und Haftterror bezeichnen. Trotz der spärlichen Datenlage über das Niederbühler Lager gibt es viele mündliche Überlieferungen von Zeitzeugen. Lothar Herrmann berichtet von abscheulichen Strafmaßnahmen. So kam es vor, dass man selbst an strengen Wintertagen Lagerinsassen in den eiskalten Kanal trieb. Henry Foltzer,ein vom Elsass kommender Gefangener schreibt: Eines Tages, als wir zum Lager zurückgingen – ich glaube es war ein Sonntag – brach vor mir ein junger Russe plötzlich zusammen und war tot. Ohne Zweifel starb er an Erschöpfung, denn wir hatten seit langem kaum mehr etwas zu uns genommen. Die Wachmänner haben nicht einmal angehalten, sondern ließen ihn einfach im Straßengraben liegen. Der Russe wird sein Land nie mehr wiedersehen. Pierre Steyer der als 16 jähriger Ende November 1944 für etwa2 Wochen im Lager Niederbühl war berichtet. Die Häftlinge waren in sechs Holzbaracken untergebracht. In einer Baracke konnten etwa 20 Mann in Hochbetten schlafen. Auf dem Boden gab es bei ihrer Ankunft frisches Stroh. Wir haben die langen Halme zusammengedreht zu einer Art Kopfkissen. Ansonsten haben wir das Stroh auf die Bretter in den Betten gepresst um nicht ganz so hart zu liegen. Draußen herrschten Minusgrade. Doch für die Holzöfen in den Baracken gab es kein Holz. Uns jungen Gefangenen machte die Kälte nicht so viel aus wie den Älteren erzählte der Elsässer. Doch etwas anderes machte uns Gefangenen schwer zu schaffen: Läuse. Es gab im Lager eine Entlausungsstation, die politischen Gefangenen wurden jedoch nicht entlaust. Die Viecher waren überall und teilweise richtig groß. Wir haben sie gespürt, gepackt und mit dem Fingernagel an der Bettkante zerquetscht die davon schon ganz blutig war berichtet Pierre Steyer. In einer Ecke des Lagers gab es eine Holzbaracke mit einer rechteckigen etwa 4 Meter langen Fäkaliengrube. An den Längsseiten waren dünne Stämme angebracht. Klopapier gab es nicht, höchstens ein Büschel Gras. Zu essen gab es nur Suppe mit Kartoffelschalen. Es gab für jeden nur einen Teller. Wir jungen Leute haben noch eine Kelle extra bekommen. Eines Tages ist einem Häftling die Blechschüssel mit Suppe auf den Boden gefallen. Ein Wärter hat ihn brutal mit der Peitsche traktiert und wir mussten zusehen. Er hat auf ihn eingeschlagen bis das Blut aus den Ohren und der Nase lief. Der Häftling lag da wie tot. Zwei andere mussten ihn wegtragen und wir haben ihn nicht wieder gesehen. Ich weiß nicht was aus ihm geworden ist. Am 10. Dezember 1944 wurde Steyer mit 60 bis 80 Männern in Viehwaggons nach Haslach verlegt.

Der Niederbühler Hobbyhistoriker Wilhelm Kenz berichtet von 8 mit Stacheldraht umgebenen Holzbaracken und einer im Rohbau befindlichen Frauenbaracke . Die Holzbaracken wurden bei Kriegsende abgebrannt. Das Gelände wurde 1946 von der Firma Basi gekauft und zum Acetylenwerk umgebaut. Die Frauenbaracke wurde die erste Produktionsstätte. Das Werk nahm 1949 die Produktion auf.






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