Die deutsch-französische Freundschaft blüht und trägt Früchte
Zum Kriegsende vor 80 Jahren hat es aus gutem Grund eine Reihe von Veranstaltungen gegeben.
Dass seither die Freundschaft zwischen Franzosen und Deutschen funktioniert, konnte am Sonntag
beim Westwallbunker erlebt werden. „Frieden und Franzosen – ein Gedenken“ war das diesjährige
Thema des Historischen Vereins Rastatt, der das Kriegsrelikt zum Friedensbunker umgewidmet hat.
Dazu gehörte wieder die Vorführung des Kampfmittelbeseitigers Sandro und das Angebot des
Kinderbuchautors Hans-Peter Faller mit einer deutsch-französischen Stadtmausgeschichte. Am Grill
versorgte Charly Fritz die Gäste, Christel Sittinger schenkte ihre beliebte Pfälzer Schorle aus und
Dominik Schnurr und Boris Traub beeindruckten die Besucher mit ihrer Sachkenntnis bei
Führungen durch den Bunker.











Zum Gedenken- und Gedankenaustausch hatte sich eine ganz gemischte Runde eingefunden und es
gab viel zu erzählen. Das Lehrerehepaar Camboni hatte sich durch einen Lehreraustausch
kennengelernt und engagiert sich bis heute für das Erlernen der (französischen) Sprache des
Nachbarn. Philipp Lasjaunias war ehemaliger Fremdenlegionär -und damit Patenkind von Mireille
Mathieu, wie er schmunzelnd erzählt. In der Kaserne Canrobert verbrachte er seine Militärzeit und
lernte beim Boulespielen seine Frau Rosi kennen, beide leben in Rastatt. Durch verwandschaftliche
Beziehungen kam das Ehepaar Matheis in Kontakt mit Frankreich. Der angeheiratete Onkel Emile
hatte als französischer Kriegsgefangener (Ost-)Deutschland kennengelernt und war später in Baden-
Baden Offizier der Besatzungsmacht. Seine Heirat mit der Rastatterin Franziska wurde aber damals
nicht gern gesehen, weshalb er den Dienst quittierte. Seine spätere Tätigkeit an der Elfenbeinküste
bot dem Neffen Jürgen und Ehefrau Ursel Gelegenheit zum Besuch in der damaligen französischen
Kolonie. Es folgte ein reger Austausch zwischen Paris und Rastatt, wo sich Emile gerne und noch
lange über den Tod seiner Frau hinaus aufhielt. Schließlich das deutsch-französische Ehepaar Moch,
das die ersten gemeinsamen Jahre in der Normandie verbrachte und bis heute auf Französisch
kommuniziert; auch für die fünf Kinder sind die französische Kultur und Muttersprache eine
selbstverständliche Bereicherung





Als Zivilbediensteter kam der Elsässer Jean-Louis Herrmann nach Rastatt und wartete in der
Joffrekaserne im Dörfel das Panzerglas und -als gelernter Uhrmacher- die Turmuhr. Bis heute
besucht er die Familie seiner damaligen Vermieter und Freunde regelmäßig und ist aus
Verbundenheit mit der alten Zweitheimat Mitglied im Historischen Verein geworden.
Auf eine seit 1945 bestehende Kinderfreundschaft kann Frau Agnes Feldhaus zurückblicken: in
ihrem Haus in der Schloßstrasse war – nach der ersten „Heimsuchung“ durch feindliche
französische Truppen im April 1945- ein Besatzungsoffizier mit Familie einquartiert. Zwischen der
damals vierjährigen Agnes und der kleinen Annie kam es sofort zu einer liebevollen
Kinderfreundschaft, die beide nun über 80-jährige Damen bis heute verbindet – zwischen Biarritz
und Rastatt!
Dr.Irmgard Stamm
Rastatt, 12.5.2025
alle Bilder: Patric Wolf


















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