Am Brunnen vor dem Tore der Poterne: alter Brunnen neu gesetzt beim Cavalier 1
Der Brunnen ist ca 180 Jahre alt und wurde, wie damals üblich, zur Wasserversorgung der in den
Festungswerken dienenden Soldaten eingerichtet.
Nach der Niederschlagung der Revolution im Juli 1849 wurden aus diesen Brunnen auch die
gefangenen Freiheitskämpfer versorgt – natürlich auch ihre Bewacher. Allerdings hat man den
Eingekerkerten in den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft nicht einmal Wasser und Brot zukommen
zu lassen, um sie mürbe zu machen (Berichte von Überlebenden liegen uns vor). Auch die ca. 7000
Einwohner von Rastatt versorgten sich – neben den städtischen Steinbrunnen, die heute noch auf der
Kaiserstrasse stehen, aus solchen Pumpbrunnen. Sie waren kleiner und standen im Innenhof der
Modellhäuser, in den Vorstädten auch außerhalb der Gehöfte. Ein weiterer öffentlicher
Festungsbrunnen steht noch bei der ehemaligen Lünette 42 auf dem Röttererberg.
Die beim Cavalier 1 aufgerichtete Brunnenröhre mit Schwengel stammt wahrscheinlich aus der
Bastion 12, die 1960 abgerissen wurde. (An ihrer Stelle entstand 1971 das Hallenbad Alohra, das
bereits 2022 aufgegeben wurde). Damals war die Blechnerfirma Schmalholz an den Arbeiten zum
Hallenbad beteiligt, der geschichtlich interessierte Firmenchef Otto Schmalholz rettete den Brunnen
vor der Vernichtung, bewahrte ihn in seinem Schuppen auf und überließ ihn dem Historischen
Verein, dessen Mitglied er ist. Nach dem Erwerb des Cavalier 1 durch die Stadt Rastatt wurde im
Einvernehmen mit dem Bauamt entschieden, dass der Brunnen an geeigneter Stelle aufgerichtet
werden soll. Dafür betonierte die Firma Gericke einen Schacht von ca 30 cm Tiefe und einem
Durchmesser von 180 mm. Der Verein ließ den Brunnen professionell restaurieren und am 26. Juli
2025 durch die Firma Ziermann Holzbau aufstellen. Der Zimmermeister selbst führte den Kran, der
die ca 200 kg schwere Röhre aus Gußeisen senkrecht in den engen Schacht einließ. Da der Flansch
zu groß war, mußte ein Stück abgeflext werden. Schließlich wurde die massive Eisenplatte mit dem
Sockel verschraubt.
Vier Männer des Historischen Vereins (Karl Schweizer, Klaus Schnurr, Boris Traub und Jens Langguth) waren beteiligt und auch Kurt Ziermann legte Hand an, um das schwere Stück in die richtige Position zu bringen.
Der Brunnen dient nur zu Anschauungszwecken, ist also nicht an das Grundwasser (in ca 6 m Tiefe) angeschlossen und kann folglich nicht bedient werden.
Dennoch gewährt dieses einst lebenswichtige Instrument Einblick in die Alltagsbedingungen
unserer Vorfahren.
Das Cavalier 1 steht unter Denkmalschutz und vermittelt, wenn auch nur als Ruine bzw. Torso, ein
Stück deutscher Demokratiegeschichte.
Der Brunnen steht auf dem durch einen Zaun gesicherten Gelände und ist vom öffentlichen Weg her zu sehen.
Im Rahmen von Führungen im Cavalier 1 kann
der Brunnen aus direkter Nähe besichtigt werden.
Die nächsten öffentlichen Führungen beim Cavalier sind am 17. August und 16.November um 10
Uhr (Treffpunkt Militärstrasse 11).
Ausserdem wird beim diesjährigen Festungsfest am Südring am 31. August um 13 Uhr eine Extra-Führung zum Cavalier 1 mit Brunnen angeboten.
Zugleich wird die Geschichte der Freiheitsfestung Rastatt und der Badischen Revolution um den
„neuen“ Festungsbrunnen herum erzählt.
Herzliche Einladung an jung und alt zum diesjährigen
Festungsfest am 31. August 2025 ab 10 Uhr am Südring!











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