Das war mal wieder ein Festungsfest, wie man sich´s wünscht: bei strahlendem Sonnenschein im Grünen sitzen, dazu regelmäßig mit Führungen unterhalten und informiert werden, und dann noch bestens verköstigt von der Siedlergemeinschaft mit Gegrilltem und Gebackenem. Dazwischen Damen in Biedermeierkleidern und, passend zum Thema, Uniformen und viele Heckerhüte. 
Und so sollte es auch sein. Im Gedenkjahr der Badischen Revolution hatte der Historische Verein sich etwas Besonderes ausgedacht. Genau vor 175 Jahren waren nämlich am Südring, genauer in den Kasematten der Contreescarpegalerie und im Cavalier 1 die gefangenen Freiheitskämpfer untergebracht. Für sie begann am 23.Juli 1849 das schwerste Kapitel der Revolution, anschaulich nachzuvollziehen in den dunklen, feuchten Kasematten, aus denen viele krank herauskamen oder zur Hinrichtung gebracht wurden. Die Preußen hatten das Regiment in Rastatt übernommen und führten sich nicht nur als neue Herren auf, sondern auch als Strafvollstrecker. Wer einen Fürsprecher hatte und erklären konnte, dass er zum Kampf für die Reichsverfassung gezwungen worden war, kam schon nach wenigen Wochen frei. Doch so einfach entließ man die Gefangenen nicht in die Heimat, sie mußten erst eine Strafpredigt über sich ergehen lassen.

Dazu wurden, nach Entlassung der Frauen und Kinder, kurzerhand die männlichen Teilnehmer der Führungen zu Kasemattenhäftlingen erklärt. Vor dem Tor zur Freiheit hatte sich der wortmächtige preußische Major von Weltzien aufgebaut, dargestellt von Philipp Erben, und stauchte die Freigewordenen mit donnernder Stimme zusammen (verkürzt): „Ihr werdet nun in Eure Heimat entlassen, führt Euch ordentlich dort auf, sonst gibt es eine Kugel! Ihr seid verführt worden, seid meineidige Halunken geworden! Ihr versteht es Eure Felder zu düngen, von der Regierung versteht Ihr nichts, gar nichts! Wenn je wieder einer von diesen fremden Schurken zu Euch kommt und Euch beschwätzen will, hängt ihn auf, schlagt ihn tot -hört Ihr? Erzieht Eure Kinder in Gottesfurcht, und wenn ich nochmal einen von Euch vor mir sehe, dann gibt es, Prügel, Kasematten, eine Kugel vor´n Kopp! Wenn die Milde nicht hilft, so muß die Strenge helfen….“

Das war zuviel, nach all der Schmach! Wer noch einen schwarzrotgoldenen Stofffetzen – die Farben der Revolution – versteckt hatte, riß ihn hoch mit dem Ruf: „Es lebe die Freiheit!!“ Sofort schlug ihm der Adjutant des Majors (Boris Traub) das verhaßte Tuch aus der Hand: „Will der Hund noch räsonnieren? Nieder mit dem Schmutzlappen…“  

Ein kurzes Schauspiel, aber wirkungsvoll und zudem historisch korrekt: nachzulesen ist die Rede im Tagebuch des Bankiers Meyer von 1849, dem die preußische Willkür in seiner Heimatstadt mächtig widerstrebte.

Nicht nur die Aktiven des Historischen Vereins, am Büchertisch oder als Kasemattenführer-innen, waren zufrieden, auch Frau Oberbürgermeisterin Müller lobte das Engagement des Vereins. Viele Fotos wurden gemacht, die Siedler hatten guten Umsatz, kurzum: lauter zufriedene Gesichter. Und schließlich noch ein großes Lob an unsere vereinseigenen Preußen „comme il faut“ mit Pickelhaube: Boris und Philipp, Ihr wart Spitze ! 

Rastatt, 27.August 2024

Irmgard Stamm, Vorsitzende

Eine Antwort zu „Festungsfest am 25. August 2024 am Südring“

  1. Danke Patric, Du bist auch Spitze!V

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