Tropische Temperaturen hatten dazu geführt, dass mehrere Vereinsmitglieder ihre Teilnahme am Besuch in Karlsruhe wieder absagten. Es kam dennoch eine Gruppe von Hartgesottenen in die Hardeckstrasse 2 in Karlsruhe, um sich die Geschichte und die Zukunft der ehemaligen Rohtabakveredelungsfabrik zeigen zu lassen, die seit 2018 geschlossen ist.

Frau Claudia Gruber von der Karlsruhe Fächer-GmbH als Eigentümerin zeigte die Pläne für die Konversion des umfangreichen Geländes und führte zunächst durch die Direktorenvilla mit Jugendstilornamenten, für die eine Gastronomie vorgesehen ist.
Peter Forcher vom Grünwinkler Geschichtskreis berichtete über die Anfänge der Fabrik als Bau- und Kunsttischlerei Billing & Zoller sowie die architektonischen Besonderheiten. Nachdem die international tätige Kunsttischlerei insolvent war, zog 1933 die Firma ROTAG (Rohtabakvergärungs-Aktiengesellschaft) ein, deren Bedeutung Gerhard Strack vom Grünwinkler Geschichtskreis darlegte. Mit 200 Mitarbeitern gehörte die ROTAG zu den wichtigen Arbeitgebern, auch für Pendler aus der Pfalz.
Imposant war vor allem die riesige Halle mit dem für Fabriken üblichen Sheddach, das reichlich Lichteinfall gewährt. Vom Rippsaal, wo die Rippen der Tabakblätter entfernt wurden bis zum Packraum, wo noch die Pressen vorhanden sind und wo es stark nach Tabak roch, waren zahlreiche Funktionsräume zum Fermentieren, Trocknen etc. zu durchqueren. Hier sollen später Handwerksbetriebe, Läden, Manufakturen und Begegnungsorte entstehen. Ein neueres Gebäude nutzt bereits das KIT, ein am Rande befindlicher Bunker soll noch freigelegt und ebenfalls gezeigt werden. Die ehemaligen Fabrikhallen versprechen ein attraktiver Lebensort für Grünwinkel zu werden; die Herausforderungen der Konversion ähneln denen von Militärgebäuden. Erfreulich ist, dass man möglichst viel vom Charme der Industrie erhalten will und nur das Nötigste saniert wird.












Nach der schweißtreibenden Besichtigung der ROTAG gab es Mittagessen am Marktplatz im angenehm durchlüfteten Restaurant “Wilma Wunder”, das zur evangelischen Stadtkirche, dem markantesten Weinbrennerbau. gehörte. Dort erwartete uns bereits der zünftig als Friedrich Weinbrenner gewandete Rüdiger Homberg (Mitglied unseres Vereins) und berichtete über den berühmten badischen Architekten, der das Zentrum von Karlsruhe gestaltet hat und vor 200 Jahren starb. Es folgte ein verkürzter Rundgang von der Pyramide zum Rathaus, zum ehem. Ständehaus mit St.Stephanskirche, zum Rondellplatz mit dem Obelisken und dem Markgräflichen Palais. Wir erfuhren auch, dass der Dichterfürst Goethe sich abfällig über das klassizistische Karlsruhe geäußert hat und dass ausgerechnet der Lieblingsschüler Weinbrenners, Heinrich Hübsch, nach dessen Ableben kein gutes Haar am Werk seines Lehrers ließ, das er dennoch in sein Schaffen integrierte. Der Weinbrenner-Rundgang endete beim Wohnhaus des Fahrraderfinders Karl von Drais in der Zähringerstrasse und um kurz nach 15 Uhr machten sich alle Beteiligten wieder auf den Nachhauseweg.
















Danke, Rüdiger Homberg, für die kurzweilige Weinbrennerführung!
Danke an die “Drei von der ROTAG” für Alles, was wir über dieses Beispiel der Industriekultur und über die Verarbeitung von Tabak erfahren haben!
Nicht zuletzt danken wir auch den Vereinsmitgliedern, die trotz der Hitze in Karlsruhe dabei waren.
In Zukunft soll der Jahresausflug im Frühjahr oder Herbst stattfinden. Der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.
29.6.2026 Dr.Irmgard Stamm




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