Rastatt(rw). Die Fackelführungen des Historischen Vereins Rastatt erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Vor dem Hintergrund der badischen Revolution von 1848/49 wurde eine Lichterführung angeboten. Die Vorsitzende Irmgard Stamm hatte ein passendes Programm zusammen mit engagierten Helfern angeboten. Fast 70 Interessierte, von Martha(6) und Noah(4) bis hin zu Oma und Opas tauchten zunächst in das Dunkel des Festungswerks Cavalier I am Ende der Militärstraße ein.
Irmgard Stamm hatte als Leitthema das Schicksal der Todeskandidaten vom Juli 1849 und die Rolle der Frauen in der Revolution gewählt. Über die schräge Ebene einer Festungs-Poterne ging es in das Innere des Cavalier I. Hier war der Führungsstab der Revolutionäre 1849 inhaftiert. Dazu die Aussage aus dem Tagebuch des Bankier Meyer: „Stündlich kommen weinende Mütter, Frauen, Schwestern und Geliebte von Gefangenen zu mir“, um die Fürsprache für die Gefangenen zu erbitten.
Irmgard Stamm stellte auch revolutionäre Frauen vor, die aktiv am Kampf um demokratische Rechte beteiligt waren. Darunter Amalie Struve, Franziska Annecke und Elise Blenker, belegten, dass die Revolution von 1849 keine reine Männersache war. Beeindruckend auch der am historischen Ort verlesene Text von Augenzeuge Albert Förderer. Er berichtet vom „Nothschrei der Gefangenen“ in den Rastatter Kasematten, aber auch der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung für die Inhaftierten.
Im Schein der Fackeln tauchten dann die Interessierten in das Dunkel der ehemaligen Leopoldfeste ein. Ziel war die sogenannte „Todeskasematte“, einem Festungswerk. Hier warteten die letzten drei der in Rastatt zum Tode Verurteilten auf ihre Erschießung. Dazu lasen Mitglieder des Historischen Verein im Fackelschein aus dem Abschiedsbrief des letzten Gouverneurs Gustav Tiedemann vor: „Armes Weib, in der anderen Welt sehe ich dich wieder.“
Ergänzend dazu auch für die lauschenden Teilnehmer der historischen Exkursion, die Stellungnahme der Revolutionärin Amalie Struve. Nach der blutigen Niederschlagung der deutschen Revolution von 1848/49 würdigte sie den „Heldenmuth“ der Erschossenen und schrieb. „An uns Frauen ist es aber zumal, diesen Märtyrern deutscher Freiheit Blumen und Kränze auf ihre Totenhügel zu streuen.“
Stimmungsvoll dann auch passend zu der Thematik die begleitenden historischen Liedvorträge von Roland Walter mit seiner Gitarre. Er hatte das Lied vom erschossenen Robert Blum, das Badische Wiegenlied und das gemeinsam gesungene Bürgerlied ausgewählt. Dass die angebotene Thematik der angestrebten demokratischen Rechte auch in die Gegenwart strahlt, darauf legte die Vorsitzende Irmgard Stamm besonderen Wert. Erst in Weimarer Verfassung von 1919 wurde die Gleichberechtigung der Frauen fixiert. Außerdem stehe das Denkmal für die standrechtlich Erschossenen im Patientengarten des Rastatter Klinikums für den Kampf um demokratische Rechte.
Text:R.Wollenschneider




























Bilder : Evelin, Maxi, Philipp,Patric




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